Suboptimale Perfektion

Nun habe ich ja schon oft Sea of Thieves von Rare mit euch gespielt, offline und auch in vielen Livestreams. Und es hat immer sehr viel Spaß gemacht, mit meiner Community-Crew in See zu stechen. Aber wehe man zieht alleine als Gelegenheitscaptain los, dann kann der Kanonenschuss schon mal gut nach hinten losgehen…

Königin des Wassers

Sea of Thieves bietet die bisher realistischste Ozeansimulation in einem Computerspiel und ist ein wahres Kunstwerk für sich. Die Wellen tanzen, das Licht bricht sich auf der Gischt, und das Spiel sorgt immer wieder für unzählige Momente, an denen du einfach an Bord deines treuen Schiffes steht und über die Reling hinaus auf das unglaubliche Meer blickst und die Atmosphäre in dich aufsaugst.

Wusstet ihr, dass die Wassersimulationen auf einer Veröffentlichung von Jerry Tessendorf (VFX-Artist, der beim Film Titanic für das digitale Wasser zuständig war) und dem Modell „Phillips spectrum“, das bereits 1958 beschrieb, wie sich Ozeanwellen verhalten? 1958! Schon manchmal verrückt, wie alles zusammenkommt.

Doch es ist nicht nur das Wasser, das begeistert. Der liebevolle Art Style sticht generell heraus: urige Charaktere mit charmanten Animationen, Schiffe mit Seele und jede Insel, jede Gebäude, praktisch einfach alles wirkt mit einer Prise Humor und Liebe gestaltet. Die Kombination aus realistischer Ozeanphysik und 3D-Cartoon-artigem Design ergibt einen einzigartigen Look, in den ich mich sofort verliebt habe.

Unfreiwilliger Nervenkitzel

Spielerisch wirft Sea of Thieves mich direkt ins Piratenleben. Ich darf mein eigenes Schiff steuern, Schätze suchen, Rätsel lösen, gegen Skelette kämpfen und mit meiner Crew einen Haufen fantastischer Abenteuer erleben. Die Freiheit ist riesig. Besonders in einer guten Gruppe entfaltet sich das Spielgefühl wunderbar: Einer steht am Steuer, einer bedient die Segel, ein anderer hält Ausschau und der Koch sorgt derweil für gutes Essen. Hier kann man sich wunderbar im Spiel verlieren und dann ist die Immersion wirklich unglaublich!

Aber wenn man im Kampf nicht sehr gut geübt ist und alle Tricks der echten Gegenspieler kennt, ist der aufgezwungene PvP-Part oft die frustrierende Spaßbremse eines ansonsten wunderbaren Segeltörns. Wird man von einen einer Gruppe erfahrener Spieler überfallen, kann man in Sekunden alles verlieren, was man stundenlang gesammelt und erbeutet hat. Das sorgt gerade bei Solosegler für puren Frust. Der Unterschied zwischen Neueinsteigern und Veteranen ist enorm, besonders weil Letztere natürlich oben drauf diverse Tricks kennen, die sie klar bevorteilen. Das ist natürlich in allen PvP-Spielen ohne Matchmaking so, aber gerade in einem Spiel wie Sea of Thieves wundert es mich sehr, dass kein PvE-only-Modus angeboten wird (für Neulinge, Gelegenheitsspieler oder auch für Eltern, die mit ihren Kids einfach nur entspannt gegen einige Skelette kämpfen wollen, ohne nach einem PvP-Raubüberfall zu Hause verständnislose Kindertränen zu trocknen…).

Für PvE-Liebhaber ist das Spiel wirklich nur bedingt zu empfehlen. Ich weiß, dass es Spieler in Foren absprechen und gezielt einloggen, um dann möglichst zusammen auf einen Server zu kommen und dort für sich nach einem PvE-Ehrenkodex zu spielen. Und für all diese Spieler wünsche ich mir sehr, dass Rare hier noch schnellstmöglich einen PvE-only-Modus einführt. Einziger „Nachteil“ wäre auch, dass die PvP-Server weniger Futter bekommen, aber so wie das Spiel aktuell aufgebaut ist, lassen viele eh die Finger davon, weil es einfach zu oft alles ruiniert und nur ein hässlicher Nachgeschmack bleibt. Wirklich merkwürdig, dass Rare hier so lange krampfhaft an dem PvP-Zwang festhält…

Nicht perfekt, aber bereits ein Highlight

Sea of Thieves ist ja nun schon eine ganze Weile draußen und es hat mich visuell und atmosphärisch auch immer komplett abgeholt. Die Welt ist wunderschön, voller Details und theoretisch werden einem unendlich viele Abenteuer geboten. Leider macht der erzwungene PvP-Fokus das Spiel für eher entspannte Spieler zur Herausforderung und stellt die Nerven oft unschön auf die Probe. Wer aber mit einer erfahrenen Crew spielt, wird hier eine rundum gute Piratenzeit haben.

Wie gesagt, hoffe ich sehr, dass Rare in möglichst naher Zukunft eine Optionen für PvE-Fans nachreicht. Sea of Thieves hätte das Potenzial, sowohl Hardcore-Piraten als auch gemütliche Feierabend-Schatzsucher glücklich zu machen.

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YetiFrood

YetiFrood

YetiFrood ist Twitch-Streamer und selbständiger Content Creator mit einem großen Herz für Indiegames. Mit einem offenen Blick für besondere Spiele teilt er auf dieser Website seine ehrliche Meinung zu all den charmanten Pixelpartys, atmosphärischen Storyabenteuern oder auch packenden Sci-Fi-Welten aus den unterschiedlichsten Genres. Immer mit viel Herz, Humor und einer großen Portion Leidenschaft für besondere, grandiose und oft sogar herausragende Spiele.